Noch vier Wochen „Vornehme Parallelgesellschaften“ im Museum LA8


Carl Anton Hermann Münch: Vor dem Konversationshaus in Baden-Baden, um 1910, Öl auf Pappe Stadtmuseum / Stadtarchiv Baden-Baden, Foto: Heinz Pelz

Nur noch wenige Wochen sind sie zu sehen – die „Vornehmen Parallelgesellschaften‘‘ im Museum LA8 in Baden-Baden: Bis zum 3. September zeigt das Museum die Ausstellung „Natur und Kulisse. Vornehme Parallelgesellschaften im 19. Jahrhundert.“ Die Ausstellung fragt nach dem konkreten Ort, an dem sich die Bürger nach dem Ende adliger Herrschaft und kirchlicher Bevormundung zwanglos treffen konnten, einander außerhalb der alten Ständeverfassung begegneten, die Wirkung ihrer neuen Kleiderordnung praktisch ausprobierten, sich amüsierten oder auf einer Bank saßen und das Wetter genossen oder wo Liebesbeziehungen sich anbahnten: dem Park nach dem Muster des englischen Landschaftsgartens. Zu sehen sind bedeutende Landschaftsgemälde, unter anderem von Gustave Courbet und Johann Wilhelm Schirmer. Präsentiert wird die feine Ausgeh-Garderobe des Bürgertums samt Accessoires (Ersatzteile für Damenschirme im Etui!) sowie Lebenszeugnisse berühmter Persönlichkeiten des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in Baden-Baden, von Clara Schumann und Johannes Brahms bis zu Kaiser Wilhelm I.

Direktor Matthias Winzen beschreibt den Reiz am Sehen und Gesehen werden für die Spaziergänger in den ebenso raffiniert konzipierten wie naturnah ungezwungen wirkenden Parks: „Ein Landschaftspark war ein Ort neuer Freiheiten – Freiheit von feudaler Unterdrückung und von der blinden Gewalt roher Natur.“ Der öffentliche, für alle zugängliche Kurpark, der nicht mehr höfischer Schloss- oder mönchischer Klostergarten war, stellte einen neuartig freien Ort dar, der Stadt und Landschaft, Zivilisation und Natur, Künstlichkeit und Wildwuchs, Hochkultur und Entspannung harmonisch miteinander verbinden sollte. Jenseits bäuerlicher oder frühindustrieller Nutzung wurde die Natur inszeniert. Im Park des frühen 19. Jahrhunderts wurde die Natur kompositorisch wie in einem Landschaftsgemälde arrangiert. Die künstliche Darstellung von Landschaft mittels einer Parklandschaft benutzte statt Leinwand und Farbe Bäume und Sträucher. Die Natur wurde geordnet, komponiert, Erdmassen und Bachläufe verschoben, um sie desto natürlicher und zwangloser wirken zu lassen: Naturbezwingung zum Zwecke der Naturverherrlichung. Die Leistung eines Parks wie der Lichtentaler Allee in Baden-Baden bestand und besteht darin, komplexe Naturauffassungen in erlebbare Stimmungen zu übertragen.

Ausstellung und Katalog wurden gemeinsam mit der Kuratorin Dr. Irene Haberland, Bonn, entwickelt. Das Projekt ist eine Kooperation mit dem Stadtmuseum Baden Baden und wird unterstützt vom Freundeskreis Lichtentaler Allee e.V.

Im Anschluss widmet sich das Museum LA8 ab dem 23. September Hans Thoma, dem „Wanderer zwischen den Welten‘‘. Die Ausstellung zeigt Gemälde, Zeichnungen sowie Grafiken und Möbel. Sie präsentiert erstaunliche Aspekte, die über die bekannte Vorstellung vom Maler seiner Schwarzwälder Heimat weit hinaus weisen.

Das Museum LA 8 Baden-Baden im Internet: www.la8.de