Kreative Konzepte für die Innenstädte


Die Attraktivität der Innenstädte war zentrales Thema der virtuellen 43. Sitzung der Regionalkonferenz der TechnologieRegion Karlsruhe

©Stadt Karlsruhe

Die Corona-Krise hat den schon seit Jahren bestehenden Trend zum Online-Handel massiv beschleunigt und die Innenstädte in Bedrängnis gebracht. Insbesondere der inhabergeführte Einzelhandel musste laut IHK-Handelsmonitor bereits zwischen 2008 und 2017 einen Rückgang von über 14 Prozent verkraften. Nun befürchtet der Handelsverband Deutschland (HDE), dass bis zu 50.000 Geschäften die Lockdowns nicht überleben werden. „Wir müssen unsere Innenstädte wiedereröffnen, damit wir wirtschaftlich und kulturell nicht abrutschen“, so IHK-Präsident Wolfgang Grenke zu Beginn des Austauschs auf der virtuellen 43. Sitzung der Regionalkonferenz der TechnologieRegion Karlsruhe.

Mögliche Strategien und Wege aus der Krise skizzierten zunächst drei Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister. „Die einzelnen Branchen müssen lernen, zu kooperieren. In unseren Innenstädten darf es nicht nur darum gehen, von Punkt A zu Punkt B zu gelangen. Wir müssen auch den Raum zwischen den Punkten füllen. Die Innenstadt insgesamt muss zu einem attraktiven Aufenthaltsraum werden, in dem man einkaufen, etwas erleben und etwas zu sich nehmen kann“, erklärte der Karlsruher Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup. „Wir müssen den Raum inszenieren. Fußgängerzonen werden zu Verweilzonen, die Innenstadt wird zur Bühne und bekommt eine ganz neue Bedeutung. Die Formel lautet dabei nicht mehr Umsatz pro Quadratmeter, sondern Erlebnis pro Quadratmeter.“

Was tun mit den Leerständen?

Das Thema Leerstände bewegte sowohl Mentrup als auch Torsten von Appen, Leiter der Rastatter Wirtschaftsförderung. Ein Pop-Up-Konzept soll in beiden Städten Abhilfe schaffen. „Wir verfolgen damit das Ziel, aus kurzfristigen langfristige Mietverträge zu generieren.“ Mentrup stellt sich beim Befüllen der Pop-up-Stores eine Mischung aus Start-ups, Kunsthandwerk und Manufakturen vor.

Kreative Konzepte als Vorbereitung auf den Restart – das Wiederhochfahren der derzeit vom Lockdown betroffenen Branchen – haben alle drei Städte Baden-Baden, Rastatt und Karlsruhe entwickelt. Kostenfreies Parken, Plakataktionen für den Einzelhandel und Einkaufsgutscheine sind beispielsweise in Rastatt geplant.

Digitale Kampagne für den Tourismus in Baden-Baden

Baden-Baden hat mit einer groß angelegten digitalen Restart-Tourismus-Kampagne damit begonnen, Kultur- und Naturinteressierte online für innerdeutsche Urlaube zu gewinnen, wie Nora Waggershauser, Geschäftsführerin der BADEN-BADEN KUR & TOURISMUS GMBH, ausführte. Auch die Baden-Badener Oberbürgermeisterin Margret Mergen legt den Fokus auf die Kulturstadt Baden-Baden. Auf dem Titel der UNESCO Welterbestadt will sie sich nicht ausruhen.

"Karlsruhe setzt im Umgang mit der Pandemie laut Martin Wacker, Chef der städtischen Marketing-und Event GmbH, auf den erfolgreichen lokalen Lieferdienst per Fahrradkurier, Online-Formate wie die digitalen Schlosslichtspiele aber auch das „live-Format“ DAS FEST-Mobil, das Kultur „coronagerecht“ in die City bringt. Zusätzlich werden Konzepte erarbeitet beispielsweise die Schlosslichtspiele wieder als Live-Erlebnis in der UNESCO City of Media Arts zu präsentieren. Nicht nur für Frank Mentrup geht es darum, diese Kulturangebote in der Region zu verlinken. „Am Ende geht es um ein regionales Überleben, denn wir müssen uns als Region insgesamt aufstellen und begreifen“, so der Oberbürgermeister.

„Die Innenstadt muss anders bespielt werden, als wir das bisher getan haben. Wir müssen auch die Angst vor dem Online-Handel aufbrechen“, stellt der Rastatter OB Hans-Jürgen Pütsch fest. Die Stadt nimmt zusätzlich eine Million im Haushalt auf als Signal, dass sie einen finanziellen Hintergrund schafft, unter anderem für Testungen. Die Akteure befänden sich ein Stück weit in Schockstarre, die Erwartungshaltung an die Stadt sei sehr hoch und es sei noch nicht absehbar, wer am Ende gewinnen und bleiben werde, so der OB.

Innenstadtberater und weitere Themen

In diese Richtung zielt auch die diese Woche gemeinsam mit dem Regionalverband Mittlerer Oberrhein eingereichte Bewerbung der IHK Karlsruhe für den Innenstadtberater. Baden-württembergweit bewerben sich alle 12 IHKs mit dem Ziel, Maßnahmen zu erarbeiten, um die Wettbewerbsfähigkeit des Einzelhandels in den Innenstädten und Ortskernen auf Landesebene zu erhalten. Zusammen mit den Kommunen und den Gewerbetreibenden vor Ort erarbeitet der Innenstadtberater Konzepte, um die Innenstadt zu stärken.

Weitere Themen der Regionalkonferenz waren mögliche Öffnungsstrategien für Deutschland, Chancen zur Zusammenarbeit über den Rhein hinweg durch die neue Collectivité Européenne d’Alsace, vorgestellt durch den deren frisch gewählten Präsidenten Frédéric Bierry sowie aktuelle Projekte der TechnologieRegion Karlsruhe, die Geschäftsführer Jochen Ehlgötz präsentierte.

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