44. Sitzung der Regionalkonferenz der TRK


Karlsruhe punktet in Sachen Europa und Mobilität

Karlsruhe hat sich gegen Kapstadt durchgesetzt: Die Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), der weltweit größten ökumenischen Organisation, wird 2022 in Karlsruhe stattfinden. Die Fächerstadt reiht sich damit hinter internationaler Gastgeberstädte, die von Vancouver über Amsterdam und Nairobi bis Neu-Delhi ein. Auf der 44. Sitzung der Regionalkonferenz der TechnologieRegion Karlsruhe betonte Dr. Marc Witzenbacher vom Nationalen Koordinationsbüro für die Vollversammlung des ÖRK: „Ich denke, dass Karlsruhe Geschichte schreiben wird für die ökumenische Bewegung.“ Das „grenzübergreifende europäische Ereignis“, wie Witzenbacher es nannte, findet vom 31. August bis 8. September kommenden Jahres schwerpunktmäßig im Kongresszentrum auf einem überdachten Festplatz statt, wo über Genderfragen, Jugend, Klima und Menschenrechte diskutiert werden soll. Erwartet werden nicht nur Gläubige aus aller Welt, sondern auch über 100 Journalist*innen. Karlsruhe hat das Rennen gemacht, weil es im Herzen Europas liegt. „Europa steht mit seinen Themen oben auf der Agenda der Vollversammlung. Wir laden nicht nur nach Karlsruhe, nicht nur nach Deutschland, wir laden nach Europa ein“, so Witzenbacher. Einbezogen sind auch Kirchen aus Frankreich und der Schweiz. Außerdem sind Exkursionen in die Städte Basel, Stuttgart, Straßburg oder Frankfurt geplant.

Mobilitätsregion

Nicht nur in Sachen Ökumene wird Karlsruhe im kommenden Jahr überregional von sich reden machen. Auch im Bereich der Mobilität kann die Fächerstadt weiterhin punkten. Wie Jochen Ehlgötz, Geschäftsführer der TechnologieRegion Karlsruhe GmbH (TRK), berichtete, wird Karlsruhe eine Zweigstelle des frisch eingerichteten Deutschen Zentrums für Mobilität mit Hauptsitz in München erhalten. „Das eröffnet große Chancen für die TRK insgesamt. Wir werden damit unseren Ruf als Mobilitätsregion weiter ausbauen“, so Ehlgötz. Auch die "Innovation Partnership" mit der UITP, dem Weltverband für öffentliches Verkehrswesen, wurde frühzeitig verlängert - mindestens bis zum Jahr 2024. Bedeutendster Baustein der Partnerschaft ist das UITP Regional Training Centre Karlsruhe, ein Ort für Fort- und Weiterbildung im Bereich Mobilität.

Flächennutzung

Die Flächennutzung war ein weiteres Kernthema der Regionalkonferenz. Bernd Fleischer, Vorsitzender des IHK-Arbeitskreises Immobilien und Standortentwicklung, stellte die von seinem Arbeitskreis entwickelte „Handreichung zur Mobilisierung von (Gewerbe-)Flächen“ vor. „Um die Region als zukunftsfähigen und lebenswerten Standort zu erhalten und weiterzuentwickeln, brauchen wir eine ausgewogene und an die Ansprüche angepasste Flächenentwicklung. Wir dürfen den Anschluss an die stärksten Wirtschaftsräume in Europa nicht verlieren“, sagte Fleischer. Identifiziert wurden die Handlungsfelder Verfügbarkeit, Schnelligkeit, Wirtschaftlichkeit, Transparenz und Akzeptanz sowie Qualität, Dichte und Nutzungsvielfalt. 

Als Lösungsvorschläge zur Beseitigung der Engpässe nannte Bernd Fleischer vor allem die Umnutzung von Obergeschossen. „Voraussichtlich wird der Einzelhandel mit dem Aussterben der Kaufhäuser diese Flächen nicht mehr brauchen. Stattdessen könnten dort Büros und Wohnraum entstehen.“ Zu den Stichworten urbanes Wohnen und Mischquartiere meldete sich auch Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup zu Wort. Er rief dazu auf: „Wann immer es in Firmen oder im Bekanntenkreis interessante Gewerbegebiete gibt, sind wir als Stadt interessiert. Wir können in besonderen Einzelfällen auch aus klassischen Gewerbegebieten sogenannte urbane Gebiete machen.“ Das Zauberwort laute Höhenentwicklungskonzept, so Mentrup. Das Konzept lasse es zu, teilweise bis zu 60, 70 Meter in die Höhe zu gehen, um bestmöglich die Flächen zu nutzen.

Prof. Dr. Gerd Hager, scheidender Direktor des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein, ergänzte: „Was wir haben, müssen wir mit Intelligenz nutzen. Es kommt nichts dazu. Wir müssen die Flächen intensiver und nachhaltiger bewirtschaften. Wir haben in den letzten 60 Jahren mehr gebaut als alle Generationen vor uns.“ Hager nannte die Ziele der neuen Landesregierung: „Der Flächenverbrauch soll auf zwei Hektar pro Tag gesenkt werden. Momentan stehen wir bei sechs Hektar. Die Nettonull ist das Ziel. Dazu kommen Biodiversität und Klimawandel.“ Hager sprach vom „Fluss der Flächen“ 100 Hektar pro Jahr seien dazugekommen, etwa 2200 Hektar Außenreserve sei in den Nutzungsplänen vorgesehen, 1900 Hektar wollen wir in das System wieder hineingeben.“

Fünf Stufen bei der Neubaustrecke Karlsruhe-Basel

Die dringlichsten Themen des Regionalverbands sind Siedlungsstruktur, Freiraumstruktur und Infrastruktur. Im Bereich Infrastruktur nannte Hager die Ausbau- und Neubaustrecke Karlsruhe – Basel, deren Umsetzung für Mitte 2035 geplant sei und mit dem die Kapazität durch Entmischung von Personen- und Güterverkehr zwischen Karls-ruhe und Basel gesteigert werden soll. „Wir müssen hier als Region zusammenstehen.“ Fünf Stufen gelte es zu bewältigen: Vom Dialogforum über das Raumordnungsverfahren, die Bedarfsplanumsetzungsvereinbarung im Deutschen Bundestag, den Planfeststellungsbeschluss bis zur Umsetzung.

IHK-Präsident Wolfgang Grenke nutzte die, wenn auch nur virtuelle, Gelegenheit, Prof. Hager im Namen der Regionalkonferenz in den Ruhestand zu verabschieden. „Ich bedanke mich sehr herzlich für Ihre langjährige Unterstützung in allen Belangen der Regionalplanung und auch für die immer sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der IHK Karlsruhe“, erklärte Grenke. „Ich denke hier beispielsweise an den langen Vorgang der IKEA-Ansiedlung in unserer Region oder etwa auch die Ansiedlung des FOC in Roppenheim, was uns gemeinsam sehr beschäftigt hat.“

Zusammenarbeit am Oberrhein

Um grenzüberschreitende Projekte wie das Planspiel MORO, das Raumentwicklung und Raumordnung in den Grenzregionen stärken soll und das Netzwerk RESILIAN (Réseau d’Industriels Innovants d’Alsace du Nord) be-schäftige sich der dritte Themenkomplex der Regionalkonferenz: Jean-Michel Staerlé, Président des ADEC, stellte das Netzwerk aus mehr als 50 Industrieunternehmen vor, das sich mit den Bedürfnissen seiner Mitglieder in Sachen Innovation, Produktion, Fachwissen, Kompetenzen und Umwelt beschäftigt. Geplant sei nun ein Brückenschlag in die TechnologieRegion, um im kommenden Jahr Themen gemeinsam grenzüberschreitend anzupacken. Auch der neu gegründete deutsch-französische Ausschuss der IHK Karlsruhe wird RESILIAN einen Besuch abstatten. 

 

Über die zahlreichen internationalen Aktivitäten der IHK Karlsruhe informierte Außenwirtschaftsausschuss-Vorsitzender Robert W. Huber. Den Stellenwert der Außenwirtschaft unterstrich er mit drei Zahlen:

„Die Exportquote unserer Industrieunternehmen lag im September 2019 bei 54,2 Prozent, im September 2020 bei 55,5 Prozent und in diesem Jahr trotz der Krise noch bei beachtlichen 51,7 Prozent. Damit wird bei uns jeder zweite Euro im Ausland verdient.“

 

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