NEO2018: Gesucht waren die innovativsten und in der Realität erprobten Ideen für Zukunftsquartiere

Im Rahmen eines feierlichen Events hat die TechnologieRegion Karlsruhe gestern Abend in der Akademiebühne Baden-Baden ihren Innovationspreis NEO2018 verliehen. Die Auszeichnung ist mit 20 000 Euro dotiert. In diesem Jahr wurden beispielhafte Projekte für modernes Wohnen, Arbeiten und Produzieren gesucht.

„Zukunftsquartiere müssen sich wandeln, um angesichts der sich verändernden Rahmenbedingungen und der Bedürfnisse der Bevölkerung attraktiv zu bleiben“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der TechnologieRegion und Karlsruher Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup bei der Preisverleihung. „Klimawandel, Mobilitätswende, gute Erreichbarkeit, sozialgerechtes Wohnen, Digitalisierung, Anforderungen einer grünen Stadt, zukunftsweisende Arbeitsstandorte und demografische Veränderungen verlangen aktuelle Antworten und neue Lösungswege.“

Ziel der TechnologieRegion Karlsruhe sei es, so Mentrup weiter, den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort im nationalen und internationalen Wettbewerb zu positionieren und hier ein Zukunftslabor für die Themen Energie, Mobilität und Digitalisierung zu schaffen. Wichtige Aspekte bei der Entwicklung von Quartieren seien gemischte Nut-zung, vertikales Bauen, kleinere Wohn- und Büroeinheiten, mehr Mobilität sowie Energieeffizienz und CO₂-freie Energieproduktion, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende.

Vor rund 200 Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft stellten anschließend die vier Finalisten des NEO2018 in Video-Clips ihre eindrucksvollen Wettbewerbsbeiträge zum Thema Zukunftsquartiere vor.

Den Innovationspreis der TRK gewann das Projekt „Mobilitätsfördernde Zukunftsquartiere durch integrierte ÖPNV-EVA-Shuttle Busse“, das ein Konsortium aus Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), Forschungszentrum Informatik (FZI), Robert Bosch GmbH, Ioki und TÜV SÜD Auto Service GmbH durchführt: Elektrische, vernetzte und autonom fahrende Mini-Busse holen die Nutzer an der Haustür ab und fahren sie zum nächsten Verkehrsknoten-punkt. Vor allem für Menschen mit Einschränkung bedeutet das eine Erleichterung. Durch E-Antrieb aus Solarstrom fährt das Shuttle schadstofffrei, zudem reduziert es den Stadtverkehr, da es die Fahrwünsche vieler Nutzer optimiert. Indem das Konzept auf bestehende Strukturen aufbaut, gelingt eine fließende Transformation zum innovativen Zukunftsquartier. Die Jury ist sich einig, dass die beispielhafte Integration von Mobilität, Energie und Digitalisierung der EVA-Shuttles aufzeigt, wie zukunftsfähige Quartiersentwicklung und damit lebenswerter Städtebau aussehen kann.

„Die EVA-Shuttles werden den ÖPNV in Karlsruhe und der Region entscheidend weiterentwickeln. Sie sind bedarfsgerechte und passgenaue Mobilitätsmittel, die wir auch in Quartieren einsetzen können, in denen sich eine Straßenbahnstrecke oder ein gro-ßer Bus wirtschaftlich nicht lohnt“, sagte Dr. Alexander Pischon, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Karlsruhe, als er den Preis in Empfang nahm. „Diese Individualität müssen wir bieten, um mehr Menschen zum Umstieg vom Auto auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu bewegen und damit einen Beitrag zu einer sauberen und lebenswerten Welt zu leisten.“

„Wir freuen uns sehr, dass wir die Jury mit unserem innovativen Konzept überzeugen konnten! Die Busse sollen auf dem Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg erprobt werden und Weichen für die Mobilität der Zukunft stellen. Die Auszeichnung mit dem NEO2018 bestärkt uns, den Weg in der Entwicklung nachhaltiger Zukunftslö-sungen weiterzugehen und die Bedürfnisse der Gesellschaft dabei stets im Blick zu behalten“, erklärte FZI-Vorstand Prof. Dr.-Ing. J. Marius Zöllner im Namen aller Projektpartner.

Zum ersten Mal wurde dieses Jahr auch ein NEO-Sonderpreis vergeben. Er ging an den Badischen Landesverein für Innere Mission und sein Projekt „Miteinander leben in der Südweststadt“. Fast 30 ehrenamtlich getragene Nachbarschaftsgruppen, Quartiersabende, fest angestellte Mitarbeiter und kostenlos nutzbare Räume schaffen hier ein tragfähiges Beziehungs- und Unterstützungsnetz in der Nachbarschaft.

Die Jury möchte mit diesem Preis ausdrücken, dass zukunftsfähige Quartiere neben allen technologischen Entwicklungen auch Strukturen für die Kommunikation zwischen Institutionen und Bürgern brauchen. „Diese sozialen Infrastrukturen sichern die Beteiligung an der Weiterentwicklung des Stadtteilumfeldes und bedingen dadurch ein hohes Maß an Identifikation und Lebensqualität“, findet die Jury.

„Der Preis bestärkt uns darin, dass diese neuen Wege auch die richtigen Wege sind“, sagte Christine Jung-Weyand, Vorständin des Badischen Landesvereins für Innere Mission. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der zunehmenden Individualisierung, der Vereinsamung nicht nur älterer Menschen und der abnehmenden öffentlichen Räume habe man ein zukunftsfähiges Modell des sozialen Miteinanders geschaffen. „Unser Projekt zeigt: Eine generationenübergreifende, sozial gerechte und partizipative Stadtteil-Gesellschaft, in der sich die Nachbarschaft aus Jung und Alt so unterstützt, dass auch ältere Menschen in der gewohnten Umgebung leben und teilhaben können, ist möglich.“

Die Jury, bestehend aus Prof. Dr.-Ing. Frank Artinger (Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft), Brigitte Dorwarth-Walter (Handwerkskammer Karlsruhe), Dr. Jens Fahrenberg (Karlsruher Institut für Technologie), Dr. Guido Glania (Industrie- und Handelskammer Karlsruhe), Heinz Hanen (evohaus GmbH), Dr. Andreas Koch (Europäisches Institut für Energieforschung) und Cornelia Reimoser (Fraunhofer-Gesellschaft) wies darauf hin, dass die beiden anderen nominierten Projekte „Landau Microgrid Project“ von KIT und Energie Südwest AG sowie „Strom-Community“ von der Badischen Energie Servicegesellschaft inhaltliche Verknüpfungsmöglichkeiten zum Hauptgewinner zeigen, was einen spannenden Stadtumbau verspreche.

Über einen gelungenen Abend mit Moderation von SWR-Journalist Markus Bender und Siegerlaudatio von Edison-Chefredakteur Franz W. Rother freute sich Jochen Ehlgötz, Geschäftsführer der TechnologieRegion Karlsruhe GmbH: „Ich sehe in den Wettbewerbsbeiträgen unsere Kernkompetenzen Energie, Mobilität, Digitalisierung hervorragend abgebildet. Angesichts der hohen Qualität der Vorschläge freue ich mich schon auf die nächste bundesweite Ausschreibung des NEO – 2019 lautet das Thema: Künstliche Intelligenz.“ 

 

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NEO2018 Preisträger – EVA Shuttle

NEO2018 Sonderpreisträger – Quartierprojekt Südweststadt

NEO2018 Nominierte – Strom Community

NEO2018 Nominierte – LAMP

Die Ausschreibung

Gesucht wurden die innovativsten und in der Realität erprobten Ideen für Zukunftsquartiere. Innovative Technologien sind die Basis für die erfolgreiche Gestaltung der Zukunft. Um die besten Lösungen eines wissenschaftlichen Fachgebiets zu finden und zu würdigen, verleiht die TechnologieRegion Karlsruhe jährlich den mit 20.000 Euro dotierten Innovationspreis „NEO“.

Überzeugende Leitidee

Gesucht werden Innovationen, denen eine überzeugende Leitidee zugrunde liegt. Die Innovation soll einem breiten Publikum vermittelbar sein und einen wichtigen Beitrag zur Lösung einer aktuell bedeutsamen Fragestellung im Bereich Zukunftsquartiere liefern. Eine reine Grundlagenforschung soll nicht Gegenstand der Bewerbung sein. Kostengünstige Lösungen erfahren bei der Auswahl eine starke Gewichtung.

Marktfähigkeit

Gesucht wurden Innovationen, die auf ein marktfähiges Produkt oder eine Dienstleistung zielen. Produkte oder Dienstleistungen, die seit Jahren üblich sind oder bereits angewendet werden und im allgemeinen Bewusstsein keine Neuerung mehr darstellen, waren nicht Thema der Bewerbung sein.

Globale Relevanz, Internationalität

Gesucht wurden Innovationen, die eine globale Relevanz erwarten lassen und eine internationale Dimension entweder in ihrer Entstehung oder in ihrer Anwendung aufweisen. Produkte und Dienstleistungen, die regional begrenzt sind, waren nicht Gegenstand der Bewerbung sein.

Das Vergabeverfahren

Die Teilnehmer konnten sich bis 18. Juni 2018 bewerben. Von diesen Einreichungen nominierte die Jury im Rahmen der Jurysitzung am 27. September 2018 vier Arbeiten.

Teilnahmebedingungen

Teilnahmeberechtigt waren alle Personen, Wissenschaftseinrichtungen/Institutionen, Unternehmen und Vereine.

Die Nominierten

Die Nominierten

Für den NEO2018, der die innovativsten und in der Realität erprobten Ideen für Zukunftsquartiere  prämierte, waren diese vier Einreichungen nominiert:

Die BES Badische Energie‐Servicegesellschaft mit ihrem Projekt: „Strom Community“  

Die BES, die Stadtwerke Karlsruhe und das Berliner Softwareunternehmen Lumenaza haben gemeinsam für Quartiere und Areale eine Strom-Community aufgelegt. Damit haben ab 2018 Mieterinnen und Mieter die Möglichkeit, den in ihren Quartieren erzeugten Strom direkt als Mieterstrom zu beziehen. In der Region wird von der BES grüne, lokale Energie für Wohnviertel und gemischte Quartiere erzeugt. Die beiden stellen die dortige Strom- und Wärmeversorgung großteils über lokale KWK- und Photovoltaikanlagen sicher. Das Community-Stromprodukt ermöglicht es der Wohnungswirtschaft, ihren Kunden einen weiteren Baustein eines lebenswerten und zukunftsorientierten Wohn- und Arbeitsumfeldes anbieten zu können.

Ähnlich wie schon bei Übernachtungen in Privatunterkünften vernetzen sich die Akteure untereinander und nutzen gemeinsam eine bestehende Infrastruktur. Dieser Trend erreicht auch die Energieversorgung in Areal- und Quartierlösungen. Erzeuger und Verbraucher schließen sich zu Communities zusammen und verbrauchen den Strom aus Solaranlagen und Kleinkraftwerke innerhalb der Gemeinschaft. Aus Konsumenten und Produzenten werden so Prosumenten.

Lumenaza stellt in dem Projekt die Software-Plattform bereit, auf der sich die Akteure vernetzen. Gemeinsam mit Stadtwerke Karlsuhe und Lumenaza entwickelt die BES  für die Endkunden individualisierte Angebote, die der zunehmenden Digitalisierung und Individualisierung Rechnung tragen.
www.badische-energie.de


Die VBK – Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH mit ihrem Projekt: „Mobilitätsfördernde Zukunftsquartiere durch integrierte ÖPNV‐EVA‐Shuttle-Busse"

In einem mobilitätsfördernden Zukunftsquartier wird die Bündelungsfunktion des bewährten ÖPNV mit der Bündelungsfunktion vernetzter und autonom fahrender Elektro-Mini-Omnibusse kombiniert. Dadurch entsteht im Stadtquartier ein neuartiges ÖPNV-Mobilitätskonzept, indem die erste und letzte Meile zur Attraktivitätssteigerung des gesamten ÖPNV per App bedarfsgerecht erschlossen wird. Die Mobilitätskette im ÖPNV wird durch autonom fahrende Elektro-Mini-Omnibusse zwischen der Haustür und dem ersten Mobilitätsknotenpunkt (zum Beispiel der Straßenbahnhaltestelle) im Sinne eines ÖPNV-Zubringersystems vollendet. Das Stadtquartier wird dadurch barrierefrei.


Der Badische Landesverein für Innere Mission mit ihrem Projekt: "Miteinander leben in der Südweststadt“

Das Quartiersprojekt Südweststadt fördert das "Miteinander" in der Karlsruher Südweststadt. Ein dichtes Netzwerk der Nachbarschaft, ein tragfähiges Beziehungs- und Unterstützungsnetz zwischen Jung und Alt, entsteht. Das Quartiersprojekt bietet aktuell mit fast 30 ehrenamtlich getragenen Nachbarschaftsgruppen, partizipativen Plattformen wie Quartiersgesprächen und -abenden, fest angestellten Quartiersmitarbeiterinnen ("Kümmerer-Funktion") und kostenfrei nutzbaren, zentral gelegenen Räumlichkeiten (Bürgerzentrum Südweststadt und Mitmach-Laden Südwest) den Rahmen für Vernetzung, gegenseitige Unterstützung und bürgerschaftliches Engagement. So sieht urbanes "Miteinander" für alle Generationen im 21. Jahrhundert aus!
www.badischer-landesverein.de


Das KIT in Zusammenarbeit mit dem Energieversorger Energie Südwest AG mit ihrem Projekt: „Landau Microgrid Projekt (LAMP)“

LAMP ist ein Pilot- und Forschungsprojekt des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in Zusammenarbeit mit dem Energieversorger Energie Südwest AG. 20 Haushalten wird eine lokale Handelsplattform für Strom zur Verfügung gestellt. Auf dieser kann der lokal erzeugte, grüne Strom untereinander gehandelt werden. Jeder Teilnehmer erhält über eine App Zugang zu seinen Stromverbrauchsdaten und Stromerzeugungsdaten. Diese werden über projekteigene Smart Meter erfasst. Über die App können die Haushalte ihre Preisvorstellungen für lokal erzeugte Energie aus erneuerbaren Quellen angeben. Der Handel auf der lokalen Handelsplattform läuft über automatische Agenten ab. Untersucht werden die sich ergebenden Marktpreise für lokal erzeugten Strom aus erneuerbaren Energiequellen, den Marktmechanismus und die Akzeptanz der Teilnehmer für lokale Energiemärkte. Der zuerst zentral implementierte Markt wird im Laufe des Projekts auf eine eigenentwickelte Blockchain als tragendes Informationssystem übertragen. Mit diesem Ansatz werden die wichtigen Aspekte eines lokalen Energiemarkts durch eine Blockchain abgebildet, sofern diese informationstechnische Umstellung ökonomisch, informationstechnisch und kostentechnisch sinnvoll ist.
https://im.iism.kit.edu

 

Die Jury

Der Innovationspreis bietet objektive Rahmenbedingungen: Eine hochkarätige Fachjury mit Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik hat vier Arbeiten aus den Einsendungen nominiert.

Jurymitglieder:

  • Prof. Dr.-Ing. Frank Artinger
    Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft
  • Brigitte Dorwarth-Walter
    Handwerkskammer Karlsruhe
  • Dr. Jens Fahrenberg
    Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
  • Dr. Guido Glania
    Industrie- und Handelskammer Karlsruhe
  • Heinz Hanen
    evohaus GmbH
  • Dr. Andreas Koch
    EIfER Europäisches Institut für Energieforschung
  • Cornelia Reimoser
    Fraunhofer-Gesellschaft

 

Die Preisverleihung

Im Rahmen der Preisverleihung wurden alle nominierten Arbeiten präsentiert und der Preisträger des NEO2018 – Der Innovationspreis der TechnologieRegion Karlsruhe bekannt gegeben. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und wurde am 6. Dezember 2018 in der Akademiebühne Baden-Baden verliehen.

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NEO2018 – Der Innovationspreis der TechnologieRegion Karlsruhe wurde unterstützt von: